Die Methodik der Kliniklisten 2017

Transparenz im Trend

Immer mehr Krankenhäuser und Fachabteilungen nutzen die Gelegenheit, fundierte Informationen für Patienten und Angehörige zur Verfügung zu stellen.

 

Ausgangsmenge

Untersucht wurde von MINQ in diesem Jahr ein Pool von 1143 Krankenhäusern mit 3763 Kliniken/Fachabteilungen. Berücksichtigt wurden sämtliche Trägerschaften einschließlich der großen privaten Träger.

Krankenhäuser

Fachabteilungen

Erfassen des Angebots

Ausgangsmenge für die Recherchen sind alle Krankenhäuser mit ihren Fachabteilungen, die im Krankenhaus(bedarfs)plan der jeweiligen Bundesländer aufgeführt sind und die einen Qualitätsbericht nach § 137 SGB V verfassen. Nicht berücksichtigt werden Kliniken, die ausschließlich Selbstzahler und Privatversicherte behandeln. Vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erhält MINQ alle Qualitätsberichte der Krankenhäuser in Deutschland in maschinenlesbarer Form.

Damit ist gewährleistet, dass sämtliche Krankenhäuser Deutschlands in der MINQ-Datenbank aufgeführt sind.

Sicherstellung einer Selektion

MINQ verfolgt bei seinen Untersuchungen grundsätzlich einen mehrdimensionalen Ansatz; das bedeutet, dass MINQ einzelne Aspekte für die Krankenhäuser und Kliniken/Fachabteilungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersucht.

Aussagen zur Qualität sind nur schwer zu treffen, aber die Analyse von Leistungsumfang, spezifischen Leistungsangeboten wie medizinisch-pflegerischen Leistungen und Services von Krankenhaus oder Fachabteilung sind möglich. Aspekte, die noch nicht in den Qualitätsberichten erfasst sind, fragt MINQ direkt bei den Kliniken  ab. Die Auswertung der verschiedenen Blickwinkel (z.B. Reputatuin, Höge der Fallzahlen bei bestimmten Prozeduren, Personalquotienten etc.) ermöglicht es, Kliniken unter unterschiedlichen Aspekten zu selektieren und zu beurteilen. Die Zusammenführung aller Aspekte ermöglicht einen abschließendes Gesamteindruck zur Klinik, der in den Listen zusammengefasst wird.

Recherchemethodik

MINQ bildet im ersten Schritt einen Pool mit allen für einen Fachbereich relevanten Kliniken/Einrichtungen. An der Untersuchung nehmen alle
Einrichtungen teil, die laut Qualitätsbericht die zu untersuchende Behandlung vornehmen sowie Einrichtungen, die bei Arztrecherchen von Ärzten oder Patienten besonders empfohlen wurden.

  • Kliniken mit den höchsten Fallzahlen nach ausgewählten OPS-/ICD-Codes
  • Kliniken mit besonders empfohlenen Medizinern
  • Alle zertifizierten Zentren (z.B. Brustkrebszentren, Darmkrebszentren etc.)

 

Vorgehen und Auswertungen

Ausgangsmenge Kliniken

Ausgangsmenge für die Recherche waren alle Krankenhäuser sämtlicher Trägerschaften einschließlich der großen privaten Träger, sofern sie im Krankenhaus(bedarfs)plan der jeweiligen Bundesländer aufgeführt sind und einen Qualitätsbericht nach § 137 SGB V verfasst haben => siehe auch die Auflistung Krankenhauspool.  Nicht berücksichtigt wurden Krankenhäuser, die ausschließlich Selbstzahler und Privatversicherte behandeln.

Folgende Fachbereiche oder Erkrankungen werden untersucht:

KliniklisteBezeichnung Fachbereich
L01Risikogeburten und Pränataldiagnostik
L02Kardiologie
L03Herz- und Kinderherzchirurgie
L04Lungenkrebs
L05Tumore des Verdauungstraktes / Magen-Darm
L06Gynäkologische Tumore und Brustkrebs
L07Urologische Tumore / Prostatakrebs
L08Hüfte - Endoprothetik
L08Knie - Endoprothetik
L09Parkinson
L10Alzheimer / Demenz
L11Multiple Sklerose
L12Depressionen und bipolare Störungen
L13Angststörungen
L14Zwangsstörungen
L15Strahlentherapie
L16Diabetes
L17Gefäßchirurgie
L18Hirntumoren

Um den Kreis der zu untersuchenden Kliniken einzugrenzen, wurden für jeden der untersuchten Bereiche Klinik-Pools gebildet. Eine Klinik gelangte in den Pool, wenn sie mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllte:

  • Kliniken, bei denen besonders häufig Diagnosen/Prozeduren in den oben genannten Bereichen auftreten. Je nach Bereich wurden entweder die ICD oder OPS der Kliniken ausgewertet. Herangezogen wurden jeweils Kliniken, die überdurchschnittlich hohe Zahlen aufwiesen. Datengrundlage waren die Qualitätsberichte der Kliniken.
  • Kliniken mit bereits in früheren Recherchen empfohlenen Ärzten
  • Kliniken, die in den laufenden Recherchen von Experten oder Einweisern empfohlen wurden
  • Zertifizierte Zentren (z.B. Brust-, Lungen-, Darm- und Prostatakrebs)

Im Pool 2016 waren 1143 Krankenhäuser mit insgesamt 3763 Kliniken bzw. Fachabteilungen.

 

Die Reputationsrecherche umfasste folgende Einzelrecherchen:

 

 

  • Aktuelle Reputationsrecherche “Ausgewählte Experten” : MINQ führte mit zahlreichen ausgewiesenen Experten ausführliche telefonische Interviews. Die Gesprächspartner konnten zunächst Ärzte/Kliniken frei empfehlen. Im weiteren Verlauf des Interviews baten die Redakteure die Ärzte gezielt um ihre Meinung zu einer Reihe von Ärzten/Kliniken. Nur bei überdurchschnittlichen Empfehlungen kam eine Klinik in die engere Auswahl für die Klinikliste. Die Interviews erfolgten kontinuierlich im Jahr 2015 und 2016 im Rahmen der Ärztelisten-Recherchen.
  • Befragung der Kliniken: Insgesamt befragte MINQ 3763 Kliniken. Im Rahmen dieser Umfrage konnten die befragten Chef- ärzte andere Kliniken empfehlen. Empfehlungen von Kliniken aus dem eigenen Haus blieben bei der Auswertung unberücksichtigt. Knapp 3.200 Empfehlungen gingen bei MINQ ein.
  • “Niedergelassene Fachärzte bzw. Hausärzte”: MINQ befragte schriftlich ca. 14.000 einweisende Ärzte, welche Klinik sie aus ihrem jeweiligen Fachbereich empfehlen können. Befragt wurden sowohl Haus- als auch Fachärzte.
    Außerdem gaben die niedergelassenen Ärzte Einschätzungen ab über die fachliche Kompetenz der Klinikärzte, das Leistungsangebot und die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten einer Klinik; darüber hinaus wurden sie gebeten, die Erfahrung ihrer Patienten mit einer Klinik hinsichtlich der ärztlichen und pflegerischen Versorgung zu schildern. Insgesamt wurden von den Niedergelassenen rund 1.100 Kliniken beurteilt. Die Ärzte konnten bis zu fünf Kliniken in folgenden Kategorien benoten:
  1. Informationsweitergabe und Übergabeprozeduren
  2. Medizinische Qualität
  3. Erfahrung der Patienten
  4. Gesamteindruck
  • Auswertung Reputationspool 2015/16
    Für die Ermittlung der Gesamt-Reputation wurden vorhandene Daten aus bisherigen Erhebungen zu Ärztelisten herangezogen.

Klinik- und Krankenhausbefragung
Angeschrieben wurden die im Qualitätsbericht aufgeführten Qualitätsmanager, Chefärzte der Abteilungen und Pflegeleitung. Die Anschreiben wurden per E-Mail an die Ansprechpartner verschickt. Die Kliniken erhielten auf diesem Wege individuelle, sichere Zugangsdaten, mit denen sie sich online in den hinterlegten Fragebogen einloggen konnten.

 

Qualitätsmanagement: Der Fragebogen für die Qualitätsmanager enthielt Fragen zur Organisationsstruktur des gesamten Krankenhauses. Dies sind:

  • Allgemeine Angaben
  • Medizin
  • Patientenzufriedenheit
  • Qualitätsmanagement
  • Patientensicherheit
  • Hygiene
  • Mitarbeiterzufriedenheit
  • Besonderheiten

Chefärzte: Der Fragebogen für die Chefärzte bezog sich auf die jeweilige Klinik/Abteilung.  Abgefragt wurde unter anderem folgende Themen:

  • Allgemeine Angaben
  • Medizin
  • Spezielle Angaben zu
    • Krebserkrankungen
    • Herz- und Kreislauferkrankungen
    • Neurologie (MS, Alzheimer und Parkinson)
    • Psychiatrische Erkrankungen (Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen)
    • Risikogeburten
    • Orthopädie (Schwerpunkt Endoprothetik)
    • Diabetes
  • Pflege
  • Diabetiker geeignete Klinik
  • Besonderheiten

Pflegeleitungen: Der Fragebogen für die Pflegeleitung enthielt Fragen zur Organisationsstruktur des gesamten Krankenhauses. Dies sind:

  • Allgemeine Angaben
  • Angaben zur
    • Bettenkapazität und Intensivversorgung
    • Personalstruktur und Personalentwicklung
    • Qualitätsplanung und -lenkung
  • Angaben zum hauswirtschaftlichen Versorgungskonzept
  • Angaben zum Umgang mit Angehörigen

 

Adressaten der Anschreiben waren jeweils die in den Qualitätsberichten genannten Ansprechpartner. Die Angeschriebenen erhielten individuelle, sichere Zugangsdaten, mit denen sie sich in den hinterlegten Fragebogen einloggen konnten.

Zeitgleich mit der Zusendung der Fragebogen-Links an Chefärzte und Qualitätsmanager wurde die Krankenhausleitung über die laufende Umfrage nachrichtlich informiert. Bei größeren Krankenhäusern setzte MINQ zusätzlich den Pressesprecher bzw. die Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit in Kenntnis.

 

Auswertung Strukturierte Qualitätsberichte gem. §137 SGB
Die Angaben der Kliniken aus den strukturierten Qualitätsberichten gem. §137 SGB wurden in folgenden Teilbereichen ausgewertet:

 

  • Personal
  • Versorgungsschwerpunkte Fachabteilung
  • Ärztliche Fachexpertise
  • Pflegerische Fachexpertise
  • Medizinisch-pflegerische Schwerpunkte
  • Beteiligung bzw. Zertifizierung “AKTION Saubere Hände”
  • Berücksichtigung C1.2-Daten – Ergebnisse von Qualitätsindikatoren aus der externen stationären Qualitätssicherung nach §137a SGB V

Bei den Angaben zur externen Qualitätssicherung („C1-Daten“) wurden die Veröffentlichungen des AQUA-Instituts zu den einzelnen Leistungsbereichen herangezogen.

Die “AKTION Saubere Hände” ist eine nationale Kampagne zur Verbesserung der Compliance der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen. Sie wurde am 1. Januar 2008 mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance nosokomialer Infektionen (NRZ), dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) sowie der Gesellschaft für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen (GQMG) ins Leben gerufen (siehe auch http://www.aktion-sauberehaende.de).

Reputation beinhaltet

  • Telefoninterviews mit Fachexperten, die Empfehlungen abgeben
  • Einweiser-Befragung von niedergelassenen Fachärzten und Hausärzten
  • Klinikempfehlungen
  • bisherige Empfehlungen

Medizin beinhaltet

  • Quotient Anzahl Ärzte/Fachärzte
  • Ärztliche Qualifikation / Versorgungsschwerpunkte
  • Apparateausstattung
  • Fachfragebogen zur Medizin
  • Fragebogen zu Organisationsstruktur
  • ausgewählte Fallzahlen für die entsprechende Liste

Pflege umfasst

  • Quotient Anzahl Pflegepersonal-/Fachpflegepersonal
  • Spezielles therapeutisches Personal
  • Medizinisch-pflegerisches Angebot
  • Fragebogen zur Pflege
  • Patientenbewertungen der TK

Weitere Kriterien für einzelne Fachbereichslisten:

  • Risikogeburten
    Medizin: C1-Daten; Level-I-Kliniken (Geburten)
    Hygiene: Auswertung „Aktion Saubere Hände“; Fragebogen zur Hygiene
    Pflege: besonderes pflegerisches Personal bei Risikogeburten
  • Herz- und Kreislauferkrankungen
    Medizin: C1-Daten; besondere Ambulanzen
    Hygiene: Auswertung „Aktion Saubere Hände“; Fragebogen zur Hygiene
  • Krebserkrankungen
    Medizin: C1-Daten (nur Brustkrebs); besondere Ambulanzen; besondere interdisziplinäre Einrichtungen
    Hygiene: Auswertung „Aktion Saubere Hände“; Fragebogen zur Hygiene
  • Orthopädie / Endoprothetik
    Hygiene: Auswertung „Aktion Saubere Hände“; Fragebogen zur Hygiene
  • Neurologie (Alzheimer, MS, Parkinson)
    Medizin: besondere Ambulanzen
  • Psychiatrische Erkrankungen
    Medizin: besondere Ambulanzen
  • Diabetes
    Medizin: besondere Ambulanzen
    Hygiene: Auswertung „Aktion Saubere Hände“; Fragebogen zur Hygiene

Dieser Bereich ermittelt, welche Maßnahmen ein Krankenhaus hinsichtlich der Hygiene ergreift.

Befragt wurden die Qualitätsmanager beispielsweise dazu, in welchen Fällen ein MRSA-Screening stattfindet, ob regelmäßige Schulungen zur Händedesinfektion durchgeführt werden oder das Haus am KISS-Programm des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen teilnimmt. Zusätzlich wertete MINQ Teilnahme und Auszeichnung von Krankenhäusern im Rahmen der nationalen Kampagne „Aktion saubere Hände“ vom Aktionsbündnis Patientensicherheit aus. Die gesamte Auswertung in diesem Bereich bezieht sich ausschließlich auf die Hygienemaßnahmen und bewertet nicht den Hygienezustand eines Hauses.

Auswertung der Patientenumfrage der Techniker Krankenkasse

Die Daten zur Patientenzufriedenheit werden von der Techniker Krankenkasse (TK) zur Verfügung gestellt. Insgesamt bat die TK 398.000 Versicherte, eine persönliche Beurteilung ihres Krankenhausaufenthalts abzugeben.

Berücksichtigung findet die Patientenzufriedenheit in der Kategorie „Pflege“. Ausgewertet wurden die Beurteilungen von Patienten zur:

  • Zufriedenheit mit der medizinisch-pflegerischen Versorgung
  • Zufriedenheit mit der Information und Kommunikation
  • Zufriedenheit mit der Organisation und der Unterbringung

Sofern vorhanden wertete MINQ die Daten auf Abteilungs- bzw. Klinik-Ebene aus. Falls keine Angaben vorlagen, flossen die Beurteilungen des gesamten Krankenhauses in die Berechnung ein. Waren auch auf Krankenhaus-Ebene keine Ergebnisse vorhanden, wurden die fehlenden Werte bei der Berechnung ausgeklammert. Damit wird vermieden, dass Krankenhäuser ohne Patientenurteil benachteiligt werden.

Diabetiker geeignete Klinik

Im Fachfragebogen berücksichtigte ein Fragekomplex die Behandlung von Patienten mit der Nebendiagnose „Diabetes“. Die Chefärzte konnten unter anderem zu folgenden Punkten Angaben machen:

  • Zertifikate mit Schwerpunkt Diabetes
  • Besonderes Personal (Ärzte, Pflege, Diabetesberater)
  • Kooperationen mit Diabetologen
  • Routinemäßige Bestimmung des Blutzuckerwertes
  • Einhaltung von Behandlungsleitlinien

Der Fragenkomplex wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erstellt.

Unterschiedliche Gewichtung

Für jeden Fachbereich wird eine Gewichtung der Ergebnisse vorgenommen. Da nicht für alle Fachbereiche die gleichen Kriterien herangezogen werden können, verschieben sich die Gewichtungen je Fachbereich. Insbesondere in den nichtchirurgischen Fächern entfallen aussagekräftige Daten aus der externen Qualitätssicherung; in diesen Bereichen wird der Reputation ein größeres Gewicht zugewiesen.

Gruppierung

Die Kliniken eines Fachbereichs wurden anhand ihres erreichten Scores den Kategorien „Spitzengruppe“ oder „empfohlene Klinik“ zugeteilt. Die Abgrenzung zwischen Spitzengruppe und empfohlenen Kliniken erfolgte an einem signifikanten Sprung im Score.

Wichtiger Hinweis für alle im FOCUS aufgeführten Häuser:

Bei den von MINQ recherchierten und im FOCUS publizierten Listen handelt es sich nicht um ein sogenanntes Ranking. Die Listen stellen in ihrer Gesamtheit eine sorgfältig recherchierte Zusammenstellung von empfohlenen Einrichtungen. Deshalb trifft folgende Aussage auf sämtliche in den FOCUS-Fachbereichslisten aufgeführten Reha-Kliniken zu und darf von den Einrichtungen uneingeschränkt verwendet werden:

 

“Klinik wird von dem unabhängigen Rechercheinstitut MINQ auf Grund sorgfältiger Recherchen als ‘empfohlene Klinik’ bezeichnet.

MINQ

MUNICH INQUIRE MEDIA GMBH

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