Die Methodik der Kliniklisten 2018

U

Untersuchungsbasis

Krankenhäuser

Bereiche

Fachabteilungen

Vorgehen und Auswertungen

 Recherchemethodik

Erfassen des Angebots

Ausgangsmenge für die Recherchen sind alle Krankenhäuser mit ihren Fachabteilungen, die im Krankenhaus(bedarfs)plan der jeweiligen Bundesländer aufgeführt sind und die einen Qualitätsbericht nach § 137 SGB V verfassen. Nicht berücksichtigt werden Kliniken, die ausschließlich Selbstzahler und Privatversicherte behandeln. Vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erhält MINQ alle Qualitätsberichte der Krankenhäuser in Deutschland in maschinenlesbarer Form. Damit ist gewährleistet, dass sämtliche Krankenhäuser Deutschlands in der MINQ-Datenbank aufgeführt sind

Sicherstellung einer Selektion

MINQ verfolgt bei seinen Untersuchungen grundsätzlich einen mehrdimensionalen Ansatz; das bedeutet, dass MINQ einzelne Aspekte für die Krankenhäuser und Kliniken/Fachabteilungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersucht. Aussagen zur Qualität sind nur schwer zu treffen, aber die Analyse von Leistungsumfang, spezifischen Leistungsangeboten wie medizinisch-pflegerischen Leistungen und Services von Krankenhaus oder Fachabteilung sind möglich. Aspekte, die noch nicht in den Qualitätsberichten erfasst sind, fragt MINQ direkt bei den Kliniken  ab. Die Auswertung der verschiedenen Blickwinkel (z.B. Reputation, Fallzahlen bei bestimmten Prozeduren, Personalquotienten etc.) ermöglicht es, Kliniken unter unterschiedlichen Aspekten zu selektieren und zu beurteilen. Die Zusammenführung aller Aspekte ermöglicht Patienten einen abschließendes Gesamteindruck zur Klinik, der in den Listen zusammengefasst wird.

Erstellung eines Pools

Um den Kreis der zu untersuchenden Kliniken einzugrenzen, wurden für jeden der untersuchten Bereiche Klinik-Pools gebildet. Eine Klinik gelangte in den Pool, wenn sie mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllte:

  • Kliniken, bei denen besonders häufig Diagnosen/Prozeduren in den unten untersuchten Bereichen auftreten. Ausgewertet wurden entweder die ICD oder OPS der Kliniken. Herangezogen wurden jeweils Kliniken, die überdurchschnittlich hohe Zahlen aufwiesen. Datengrundlage waren die Angaben in den Qualitätsberichten der Kliniken.
  • Kliniken mit bereits in früheren Recherchen empfohlenen Ärzten
  • Kliniken, die in den laufenden Recherchen von Experten oder Einweisern besonders empfohlen wurden
  • Zertifizierte Zentren (z.B. Brust-, Lungen-, Darm- und Prostatakrebs)

Folgende Fachbereiche oder Erkrankungen werden untersucht:

KliniklisteBezeichnung Fachbereich
L01Risikogeburten und Pränataldiagnostik
L02Kardiologie
L03Herz- und Kinderherzchirurgie
L04Lungenkrebs
L05Tumore des Verdauungstraktes / Magen-Darm
L06Gynäkologische Tumore und Brustkrebs
L07Urologische Tumore / Prostatakrebs
L08Hüfte - Endoprothetik
L08Knie - Endoprothetik
L09Parkinson
L10Alzheimer / Demenz
L11Multiple Sklerose
L12Depressionen und bipolare Störungen
L13Angststörungen
L14Zwangsstörungen
L15Strahlentherapie
L16Diabetes
L17Gefäßchirurgie
L18Hirntumoren

Die Reputationsrecherche umfasste folgende Einzelrecherchen:

  1. Telefonische Interviews mit ausgewählten Experten: MINQ führte mit zahlreichen ausgewiesenen Experten in den betreffenden Fachbereichen ausführliche telefonische Interviews. Die Gesprächspartner konnten Ärzte und Kliniken frei empfehlen. Im zweiten Abschnitt der Interviews baten die Redakteure die Ärzte gezielt um ihre Meinung zu einer Reihe von Ärzten und Kliniken, die auf Grund der vorliegenden Informationen bereits in einer engeren Auswahl waren. Die Interviews erfolgten kontinuierlich im Jahr 2016 und 2017 im Rahmen der MINQ-Recherchen. Nur bei überdurchschnittlichen Empfehlungen kam eine Klinik in die engere Auswahl für die Klinikliste.
  2. Befragung der Kliniken: Insgesamt befragte MINQ 3093 Kliniken. Im Rahmen dieser Umfrage konnten die befragten Chefärzte andere Kliniken ihres Fachbereiches empfehlen. Empfehlungen von Kliniken aus dem eigenen Krankenhaus wurden für die Auswertung nicht berücksichtigt.
  3. Befragung von niedergelassenen Fachärzte und Hausärzten: MINQ befragte in diesem Jahr schriftlich ca. 14.000 Ärzte, welche Klinik sie aus ihrem jeweiligen Fachbereich empfehlen können. Die niedergelassenen Ärzte gaben ihre Einschätzungen ab über
    • die fachliche Kompetenz der Klinikärzte
    • das Leistungsangebot
    • die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten einer Klinik
    • die Erfahrungen ihrer Patienten mit einer Klinik hinsichtlich der ärztlichen und pflegerischen Versorgung.
    • Insgesamt wurden von den niedergelassenen Medizinern rund 1.100 Kliniken beurteilt. Die Ärzte konnten bis zu fünf Kliniken benoten.

  4. Auswertung Reputationspool 2016/17: Für die Ermittlung der Gesamt-Reputation wurden vorhandene Interviews aus den Erhebungen des letzten Jahres ausgewertet.

Klinik- und Krankenhausbefragungen

Um ein breites Meinungsbild zu erhalten, organisiert MINQ ein breites Befragungsverfahren, das unabhängig voneinander mehrere Befragungen ermöglicht. Die mehreren tausend Kontaktpersonen erhalten jeweils individuelle sichere Zugangsdaten und können sicher ihre Antworten in dem MINQ-System hinterlegen.

Angeschrieben wurden die im Qualitätsbericht aufgeführten Qualitätsmanager, Chefärzte der Abteilungen und Pflegeleitung. Die Anschreiben wurden per E-Mail an die Ansprechpartner verschickt.
Die Kliniken erhielten auf diesem Wege individuelle, sichere Zugangsdaten, mit denen sie sich online in den hinterlegten Fragebogen einloggen konnten.

  1. Befragung Qualitätsmanagement:
  2. Der Fragebogen für die Qualitätsmanager enthielt Fragen zur Organisationsstruktur des gesamten Krankenhauses. Dies sind:

    • Allgemeine Angaben
    • Medizin
    • Patientenzufriedenheit
    • Qualitätsmanagement
    • Patientensicherheit
    • Hygiene
    • Mitarbeiterzufriedenheit
    • Besonderheiten

  3. Befragung Chefärzte:
  4. Der Fragebogen für die Chefärzte bezog sich auf die jeweilige Klinik/Abteilung.  Abgefragt wurde unter anderem folgende Themen:

    • Allgemeine Angaben
    • Medizin
    • Spezielle Angaben zu
      • Krebserkrankungen
      • Herz- und Kreislauferkrankungen
      • Neurologie (MS, Alzheimer und Parkinson)
      • Psychiatrische Erkrankungen (Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen)
      • Risikogeburten
      • Orthopädie (Schwerpunkt Endoprothetik)
      • Diabetes
    • Pflege
    • Diabetiker geeignete Klinik
    • Besonderheiten

  5. Befragung Pflegeleitungen:
  6. Der Fragebogen für die Pflegeleitung enthielt Fragen zur Organisationsstruktur des gesamten Krankenhauses. Dies sind:

    • Allgemeine Angaben
    • Angaben zur
      • Bettenkapazität und Intensivversorgung
      • Personalstruktur und Personalentwicklung
      • Qualitätsplanung und -lenkung
    • Angaben zum hauswirtschaftlichen Versorgungskonzept
    • Angaben zum Umgang mit Angehörigen

Transparente Befragung

Zeitgleich mit der Zusendung der Fragebogen-Links an Chefärzte und Qualitätsmanager wurden die Krankenhausleitungen über die laufende Umfrage nachrichtlich informiert. Bei einem Großteil der Krankenhäuser setzte MINQ zusätzlich die Pressesprecher bzw. die Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit in Kenntnis von der bevorstehenden Befragung, was die Rücklaufquote erheblich erhöhte.

Auswertung der Strukturierten Qualitätsberichte gem. §137 SGB

Die Angaben der Kliniken aus den strukturierten Qualitätsberichten gem. §137 SGB wurden in verschiedenen Teilbereichen ausgewertet:

  • Personal
  • Versorgungsschwerpunkte der Fachabteilung
  • Ärztliche Fachexpertise
  • Pflegerische Fachexpertise
  • Medizinisch-pflegerische Schwerpunkte
  • Beteiligung bzw. Zertifizierung „Aktion Saubere Hände“
  • Berücksichtigung C1.2-Daten – Ergebnisse von Qualitätsindikatoren aus der externen stationären Qualitätssicherung nach §137a SGB V

Auswertung der „AKTION Saubere Hände“-Ergebnisse

Die „AKTION Saubere Hände“ ist eine nationale Kampagne zur Verbesserung der Compliance der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen. Sie wurde mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance nosokomialer Infektionen (NRZ), dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) sowie der Gesellschaft für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen (GQMG) ins Leben gerufen (siehe auch http://www.aktion-sauberehaende.de). MINQ wertet die veröffentlichten Ergebnisse aus.

Reputation beinhaltet

  • Telefoninterviews mit Fachexperten, die Empfehlungen abgeben
  • Einweiser-Befragung von niedergelassenen Fachärzten und Hausärzten
  • Klinikempfehlungen
  • bisherige Empfehlungen

Medizin beinhaltet

  • Quotient Anzahl Ärzte/Fachärzte
  • Ärztliche Qualifikation / Versorgungsschwerpunkte
  • Apparateausstattung
  • Fachfragebogen zur Medizin
  • Fragebogen zu Organisationsstruktur
  • ausgewählte Fallzahlen für die entsprechende Liste

Pflege umfasst

  • Quotient Anzahl Pflegepersonal-/Fachpflegepersonal
  • Spezielles therapeutisches Personal
  • Medizinisch-pflegerisches Angebot
  • Fragebogen zur Pflege
  • Patientenbewertungen der TK

Weitere Kriterien für einzelne Fachbereichslisten:

  1. Risikogeburten
  2. Medizin: C1-Daten; Level-I-Kliniken (Geburten)
    Hygiene: Auswertung „Aktion Saubere Hände“; Fragebogen zur Hygiene
    Pflege: besonderes pflegerisches Personal bei Risikogeburten

  3. Herz- und Kreislauferkrankungen
  4. Medizin: C1-Daten; besondere Ambulanzen
    Hygiene: Auswertung „Aktion Saubere Hände“; Fragebogen zur Hygiene

  5. Krebserkrankungen
  6. Medizin: C1-Daten (nur Brustkrebs); besondere Ambulanzen; besondere interdisziplinäre Einrichtungen
    Hygiene: Auswertung „Aktion Saubere Hände“; Fragebogen zur Hygiene

  7. Orthopädie / Endoprothetik
  8. Hygiene: Auswertung „Aktion Saubere Hände“; Fragebogen zur Hygiene

  9. Neurologie (Alzheimer, MS, Parkinson)
  10. Medizin: besondere Ambulanzen

  11. Psychiatrische Erkrankungen
  12. Medizin: besondere Ambulanzen

  13. Diabetes
  14. Medizin: besondere Ambulanzen
    Hygiene: Auswertung „Aktion Saubere Hände“; Fragebogen zur Hygiene

Maßnahmen zur Hygiene

Befragt wurden die Qualitätsmanager beispielsweise dazu, in welchen Fällen ein MRSA-Screening stattfindet, ob regelmäßige Schulungen zur Händedesinfektion durchgeführt werden oder das Haus am KISS-Programm des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen teilnimmt. Zusätzlich wertete MINQ Teilnahme und Auszeichnung von Krankenhäusern im Rahmen der nationalen Kampagne „Aktion saubere Hände“ vom Aktionsbündnis Patientensicherheit aus. Die gesamte Auswertung in diesem Bereich bezieht sich ausschließlich auf die Hygienemaßnahmen und bewertet nicht den Hygienezustand eines Hauses.

Auswertung der Patientenumfrage der TK

Die Daten zur Patientenzufriedenheit werden von der Techniker Krankenkasse (TK) zur Verfügung gestellt. Insgesamt bat die TK 398.000 Versicherte, eine persönliche Beurteilung ihres Krankenhausaufenthalts abzugeben.

Berücksichtigung findet die Patientenzufriedenheit in der Kategorie „Pflege“. Ausgewertet wurden die Beurteilungen von Patienten zur:

  • Zufriedenheit mit der medizinisch-pflegerischen Versorgung
  • Zufriedenheit mit der Information und Kommunikation
  • Zufriedenheit mit der Organisation und der Unterbringung

Sofern vorhanden wertete MINQ die Daten auf Abteilungs- bzw. Klinik-Ebene aus. Falls keine Angaben vorlagen, flossen die Beurteilungen des gesamten Krankenhauses in die Berechnung ein. Waren auch auf Krankenhaus-Ebene keine Ergebnisse vorhanden, wurden die fehlenden Werte bei der Berechnung ausgeklammert. Damit wird vermieden, dass Krankenhäuser ohne Patientenurteil benachteiligt werden.

Ist die Klinik für Diabetiker besonders geeignet?

Im Fachfragebogen berücksichtigte ein Fragekomplex die Behandlung von Patienten mit der Nebendiagnose „Diabetes“. Die Chefärzte konnten unter anderem zu folgenden Punkten Angaben machen:

  • Zertifikate mit Schwerpunkt Diabetes
  • Besonderes Personal (Ärzte, Pflege, Diabetesberater)
  • Kooperationen mit Diabetologen
  • Routinemäßige Bestimmung des Blutzuckerwertes
  • Einhaltung von Behandlungsleitlinien

Der Fragenkomplex wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erstellt.

Unterschiedliche Gewichtung

Für jeden Fachbereich wird eine Gewichtung der Ergebnisse vorgenommen. Da nicht für alle Fachbereiche die gleichen Kriterien herangezogen werden können, verschieben sich die Gewichtungen je Fachbereich. Insbesondere in den nichtchirurgischen Fächern entfallen aussagekräftige Daten aus der externen Qualitätssicherung; in diesen Bereichen wird der Reputation ein größeres Gewicht zugewiesen.

Gruppierung

Die Kliniken eines Fachbereichs wurden anhand ihres erreichten Scores den Kategorien „Spitzengruppe“ oder „empfohlene Klinik“ zugeteilt. Die Abgrenzung zwischen Spitzengruppe und empfohlenen Kliniken erfolgte an einem signifikanten Sprung im Score.

Was den Patienten wichtig ist

1. Qualität der Ärzte

2. Sauberkeit der Klinik und der Patientenzimmer

3. Qualifikation des Pflegepersonals

4. Behandlung nach neuesten medizinischen Verfahren

5. Freundlichkeit des Personals

6. Einbeziehen der Patienten in Behandlung

7. Spezialkompetenzen der Klinik

8. Zufriedenheit der Patienten

9. Behandlungserfolge und geringe Komplikationsraten

10. Empfehlung der Klinik durch Spezialisten

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