ICHOM-Projekt: Krankenhäuser können sich beteiligen

Krankenhäuser in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, die an einer Implementierung von ICHOM-Standard-Sets interessiert sind, können sich bei MINQ melden. Gemeinsam mit ICHOM haben wir ein Pilotprojekt verabredet, das Krankenhäuser bei der Umsetzung des Implementierungsprozesses behilflich sein soll. Mitarbeiter von ICHOM übernehmen im Rahmen des Vorhabens den Part der fachlichen Beratung bei der Implementierung der Standard Sets. Sie unterstützen und beraten die Kliniken in einem abgestimmten Verfahren dabei, die Standard Sets zu implementieren und das Know-How im eigenen Haus zu entwickeln. So werden die Voraussetzungen geschaffen, mit weiteren Standard Sets in die breite patientenorientierte Ergebnismessung einzusteigen. MINQ übernimmt den Part der Projektsteuerung und der Kommunikation zwischen ICHOM und den Krankenhäusern.

Ein wesentlicher Bestandteil der ICHOM-Philosophie ist, die gemessenen Ergebnisse transparent zu machen und für einen Vergleich zur Verfügung zu stellen. Deshalb setzt das Projektvorhaben von Anfang an auf eine nach innen und außen gerichtete Visualisierung und Berichterstattung der erzielten Ergebnisse. Voraussetzung für die Teilnahme an dem Pilotvorhaben ist die Bereitschaft eines Krankenhauses, nach Abschluss der Implementierung seine in einem Standard Set generierten Informationen anonymisiert und unter Beachtung der Datenschutzerfordernisse den anderen teilnehmenden Kliniken und den von ICHOM damit beauftragten Institutionen zu übermitteln. Das Eigentum an den Daten verbleibt zu jedem Zeitpunkt beim Krankenhaus.

Initiative für ein Pilotvorhaben

Das Pilotvorhaben „Initiative zur Implementierung von ausgewählten ICHOM Standard-Sets in Deutschland in ausgewählten Krankenhäusern“ ist ein gemeinsames Projekt von ICHOM und MINQ. Es soll interessierten Krankenhäusern in Deutschland einen erleichterten Einstieg in eine international abgesicherte Vorgehensweise des outcome measuring bieten. Da es keine fertigen Lösungen gibt, ist gegenseitiges Lernen ein Teil des Vorhabens.

Das Pilotvorhaben soll alle beteiligten Pilotkliniken unter einem gemeinsamen „Dach“ zusammenführen und eine neue Form des Austauschs und der Kommunikation ermöglichen. Im Kern des Pilotvorhabens steht die Erprobung eines Change Management: Wie die ersten Erfahrungsberichte von ICHOM zeigen, ist der Weg der Implementierung der Standard Sets und die Umsetzung der PROMS („patient reported outcome measures“) nicht ohne einen besonderen Einsatz seitens der Klinikleitungen, des Personals und der IT-Experten eines Krankenhauses zu leisten; nicht zuletzt ist auch der Einsatz finanzieller Mittel nötig, bis eine Implementierung abgeschlossen ist und die Ergebnisse vorliegen. Außerdem müssen die ambulanten Ärzte eingebunden werden sowie selbstverständlich die Patienten selbst. Die Erfahrungen von ICHOM zeigen, wie wichtig eine positive Einstellung aller Beteiligten gegenüber dem Projektanliegen ist (awareness) sowie einer anhaltenden Unterstützung durch alle Beteiligten.

Das Pilotprojekt hat deshalb zwei Aspekte. Die Implementierung eines Standard Sets in dem Krankenhaus und die Sichtbarmachung / Visualisierung dieser Bemühungen und der erzielten Erfolge nach innen und nach außen für die Öffentlichkeit.
Die Vorteile für ein Krankenhaus liegen auf der Hand:

  • Es erfolgt eine abgestimmte Implementierung eines (oder mehrerer) Standard Sets
  • Die Datenerfassung erfolgt unter Anleitung und kann an die lokalen Umstände angepasst werden
  • Es besteht die Möglichkeit einer internen Steuerung und einer kontinuierliche Verbesserung der Patientenergebnisse bereits im Rahmen des Pilotvorhabens
  • Die Patienten stehen von Anfang an im Mittelpunkt der Initiative
  • Es erfolgt ein verbesserter (internationaler) Vergleich mit anderen Kliniken auch für kleinere Häuser
  • Das Krankenhaus setzt ein starkes Signal der Transparenzbereitschaft auch gegenüber den Patienten
  • Im Rahmen eines Public reporting soll auf die Aktivitäten jedes beteiligten Krankenhauses besonders eingegangen werden

ICHOM: Creating a new definition of success

Das zentrale Anliegen seit Gründung von MINQ ist die Schaffung von Transparenz im Gesundheitsbereich für Patienten. Wir recherchieren Informationen über Leistungserbringer und geben Patienten die Möglichkeit, diese Daten miteinander zu vergleichen. Unser Bestreben ist, aussagekräftige Informationen für Patienten zusammenzustellen, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, bei der Wahl zwischen verschiedenen Anbietern vergleichen zu können. Mit diesem Anliegen stehen wir nicht allein. Viele Ärzte und Krankenhausleitungen teilen diesen Wunsch, um die Patienten besser unterrichten zu können.

ICHOM lenkt den Blickwinkel auf die systematische und kontinuierliche Messung von Ergebnisdaten. Die Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, für eine große Zahl von Erkrankungen sogenannte Standard Sets (STS) entwickeln zu lassen. Diese Sets werden von international ausgewiesenen Experten unter Einbezug der neuesten gesicherten medizinischen Erkenntnisse entwickelt.  Im Zentrum stehen aber die Bemühungen, die Patientenbedürfnisse in die Behandlung einzubeziehen und eine an diesen Patientenbedürfnissen ausgerichtete Behandlung zu entwickeln.

Das folgende Zitat von ICHOM macht die Schwerpunktsetzung deutlich: „Doctors think about prostate cancer in terms of PSA levels. The average patient doesn’t. That’s why we need to change how we evaluate and talk to patients about their health. At ICHOM, we’re developing a new paradigm focused on health outcomes – the results that matter most to patients. The end result? A world where patients ask their doctors about meaningful outcomes, and doctors can respond with data-driven answers. To us, it’s more than improving the doctor-patient relationship. We’re creating a new definition of success that transforms health care in several important ways.“

 „Normally, people choose physicians based on reputation or hearsay because that’s the information available. The problem is, their decision isn’t guided by data. If we publish health outcomes standards, patients could use valid data to find the best-fitting physicians for them. At ICHOM, we also think it’s an ethical imperative for doctors to measure outcomes and compare the results of different treatments. Then they can discuss which treatments to pursue with their patients.“ 

MINQ unterstützt Ansatz von ICHOM

ICHOM, das „International Consortium for Health Outcomes Measurement„, hat sich zur Aufgabe gesetzt, international ein System zu etablieren, das die Ergebnisqualität von medizinischen Behandlungen in den Vordergrund der Qualitätsbetrachtungen stellt. Die Idee einer “value-based health care” findet international immer mehr Interessenten und Anhänger. MINQ unterstützt den Ansatz, den Patientennutzen noch stärker in den Blickpunkt zu rücken. Im März 2016 wurde deshalb ICHOMnach einem Treffen von Christina Rångemark Åkerman und Tom Kelley bei MINQ in München die Zusammenarbeit beschlossen.

MINQ teilt den Ansatz von ICHOM, dass es notwendig und hilfreich ist, zu standardisierten und nachhaltigen Datenerhebungen zu gelangen, die offengelegt und jedem Patienten zugänglich gemacht werden. Dazu hat ICHOM eine inzwischen große Anzahl an sogenannten Standard-Sets von international besetzten Expertengruppen entwickeln lassen, die eine Palette von Erkrankungen abdecken. Die Standard-Sets enthalten die medizinischen Mindestabfragen, die von den behandelnden Ärzten, den Patienten oder den ambulant tätigen Haus- und Fachärzten vor, während und nach der einer Behandlung regelmäßig und systematisch zu beantworten sind.  Einmal auf Krankenhaus- oder Klinikebene implementiert,  erlauben die Informationen den kontinuierlichen Vergleich der Behandlungsergebnisse mit denen anderer Häuser, die sich dem System ebenfalls angeschlossen haben.

Bessere Informationen für fundierte Entscheidungen

MINQ unterstützt die Bestrebungen, auch in Deutschland vergleichbare Ergebnismessungen zu etablieren. Unsere Untersuchungen werden künftig noch stärker die Perspektive des Patienten einnehmen. Fragestellungen der Patientenvorbereitung vor Behandlungsbeginn, der Patientenbegleitung während einer Erkrankung sowie der Frage von systematischen Follow-Ups nach dem Ende der (stationären) Behandlung stehen für uns im Blickpunkt. MINQ unterstützt alle Bestrebungen, Behandlungsergebnisse für Patienten transparent, verständlich und vergleichbar zu machen und wird entsprechende Anstrengungen, die von Krankenhäusern oder Krankenhausverbünden dokumentiert werden, künftig bei den Auswertungen berücksichtigen. Krankenhäuser, die sich für weitere Informationen interessieren, können sich jederzeit an MINQ wenden.

Trotz der Informatonsflut im Internet und der Vielzahl von Informationsanbietern ist  viel Fachwissen notwendig, um als Patient oder als Angehöriger zu einer fundierten Entscheidung für oder gegen ein Krankenhaus zu kommen.

 Zwar stehen Informationen zur Verfügung, die auf Reputation beruhen, auf Empfehlungen durch Patientenverbände oder einweisende Ärzte; Krankenhäuser stellen Patienten ihre offiziellen Daten der Qualitätsberichte zur Verfügung; Patienten und Angehörige können versuchen, die Strukur eines Krankenhauses zu verstehen oder etwas über die Häufigkeit von Behandlungen zu erfahren. Wie es den Patienten aber tatsächlich während und vor allem nach einer Behandlung ergeht resp. ergangen ist, entzieht sich meistens der Kenntnis. Die Informationen darüber sind spärlich. Sie aber sind es letzlich, die für eine fundierten Entscheidung gebraucht werden. In der Fülle an Daten, die erhoben werden, fehlen sie.
Welchen Nutzen sie haben, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Mit dem Ansatz von ICHOM, die Situation und die Bedürfnisse der Patienten bereits vor Behandlungsbeginn, in deren Verlauf und im Anschluss daran zu dokumentieren, ist der Weg beschritten, das Patientenwohl in den Blickpunkt zu rücken. Die Bereitschaft der beteiligten Krankenhäuser, diese Informationen auch transparent und verstehbar zu machen, ermöglichen Vergleiche und erleichtern die Suche nach dem bestmöglichen Ansatz.

 

 

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